Geschichte des Glücksspiels 

„Die Würfel sind gefallen“ – dieser Satz gilt bereits seit über 5000 Jahren. Soweit können die ersten Würfelspiele der Menschheit anhand archäologischer Funde und Aufzeichnungen zurückdatiert werden.

Europa, Asien, Amerika – überall lassen sich Beweise für die Freude der Menschen am Spielen finden. Auch das Wetten ist seit tausenden von Jahren beliebt – im Laufe der Geschichte hat man auf einfach alles gesetzt: Krieg oder Frieden, Junge oder Mädchen, Leben oder Tod. Selbst in der Rechtsprechung und als schicksalhafter Entscheidungsfinder wurde auf Wetten vertraut.

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Würfelspieler im alten Pompeji - Wandmalerei aus der Osteria della Via di Mercurio

Die Geschichte des Glücksspiels ist also fast so alt wie die Menschheit selbst. Das Spiel mit dem Zufall gehört zu den menschlichen Aktivitäten, die oft als moralisch bedenklich betrachtet, aber letztendlich als Teil des Lebens akzeptiert wurden. Verbote, Restriktionen und Strafen konnten die Menschen über die Kontinente hinweg nicht davon abhalten, ihr Glück zu versuchen. Zu verführerisch ist die Entscheidung zwischen Gewinn oder Verlust, Glück oder Pech. Denn in der Entscheidung der Würfel, der Karten oder der Kugel, war egal, ob König, Adliger oder Knecht die Glücksgöttin herausforderte.

Die Anfänge des Glücksspiels – China, Indien, Ägypten

Wann und wie die Menschheit angefangen hat zu spielen, kann niemand genau sagen. Die ältesten Würfel stammen aus China. Auch das Spiel in Indien ist belegt und die Würfel, die in etwa der modernen Vorstellung entsprechen, sind in Ägypten gefunden worden. Die Glücksbringer aus China stammen in etwa aus der Zeit 3000 v. Chr. Ähnliche Funde aus der gleichen Zeit stammen aus Mesopotamien. Die sechsseitigen Würfel aus Ägypten konnten Zahlen, Buchstaben oder sogar ganze Schriftzüge als Augen haben. Wie sollte es anders sein – auch pyramidenförmige Würfel dienten dem Spiel.

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Alte ägyptische Würfel, Louvre

Restriktionen scheinen so alt wie das Spiel selbst zu sein. Im Sanskrit-Text „Arthashastra“, etwa 4. Jahrhundert v. Chr., wurden bereits Empfehlungen zur Besteuerung und Einschränkung des Glücksspiels abgegeben. Ältere Texte aus Indien belegen die Spielbegeisterung im Subkontinent. Heute ist das Glücksspiel in Indien übrigens verboten. Auch in China, dem Land der wahrscheinlich größten Spieltradition, ist das Glücksspiel heute untersagt. Das war längst nicht immer so. Durch alle Dynastien hinweg galt die chinesische Bevölkerung als wahre Zocker-Gemeinde. Auch heute noch zeigt sich das im Spielerparadies von Macao, einer Halbinsel in der Nähe von Hongkong, wo das Spiel seit einigen Jahren erlaubt ist. In wenigen Jahren hat Macao die Weltspitze im Umsatz mit Glücksspiel erreicht – um die 28 Milliarden jährlich, das Sechsfache von Las Vegas. Chinesen auf dem Festland müssen auf gesellschaftliche Ereignisse zurückgreifen, um spielen zu können: Hochzeiten, Feiertage und sogar Beerdigungen. In den verschiedenen Dynastien der chinesischen Kaiser gab es immer wieder Verbote des Glücksspiels, doch selbst Beamte waren schon vor hunderten und tausenden von Jahren dem Glücksspiel verfallen. Experten der Universität in Macao sehen darin einen einen Beweis für den starken Schicksalsglauben in China, der sich bis heute hält. Der eigene Einfluss auf das Leben wird niedriger bewertet als das schicksalhafte Glück, das man mit Ritualen und bestimmten Handlungen für sich gewinnen kann.

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Die neue Glücksspielmetropole: Macao hat Las Vegas längst überholt

Eines der ältesten Spiele der chinesischen Geschichte ist Mah-Jongg, der westlichen Bevölkerung heute besonders bekannt als Computerspiel. Das Spiel erinnert mit seinen Spielsteinen ein bisschen an Domino. Seine Wurzeln gehen zurück ins frühe Mittelalter Chinas. Ursprünglich dem Adel vorbehalten, wurde das Spiel im 15. Jahrhundert auch der breiten Bevölkerung zugänglich und ist seitdem eine beliebte Beschäftigung für 3 bis 4 Personen. 1910 wurde das Spiel nach Japan und Amerika exportiert, geriet dort allerdings wieder ziemlich schnell in Vergessenheit. Mah-Jongg ist kein reines Zufallsspiel: Es ist möglich zu erraten, welche Steine gezogen werden oder welche Steine der Gegner braucht. Nichtsdestotrotz ist das Spiel, das nach einem Vogel benannt ist, seit 1930 das beliebteste, inoffizielle Glücksspiel in China.

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…Eines der ältesten chinesischen Spiele: Mah-Jongg

Glücksspiel in der Antike

In der Antike waren nicht nur Brot und Spiele in der Arena hoch im Kurs, sondern auch das Glücksspiel. Griechen, Römer, Germanen, sie alle kannten das Spiel um alles oder nichts. Die Griechen und auch Römer hatten neben dem Würfelspiel eine Alternative aus dem Sprunggelenken von Ziegen und Schafen. Astragale nannte man die vierseitigen Knochen, deren Seiten jeweils einem Zahlenwert zugeordnet waren. Der Wurf der Venus mit den Kombinationen 1, 3, 4 und 6 war der Gewinner, der Wurf des Hundes, aus lauter Einsen bestehend, eine Niete.

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…Achilles und Ajax am Brettspiel, Vatikan-Museum

Auch Pferdewetten gab es bereits im Alten Griechenland. Zur 23. Olympiade 676 v. Chr. wurden Galopprennen eingeführt, auf die die Beteiligten und Veranstalter Wetten abschlossen. Pferdewetten gerieten lange in Vergessenheit bis sie in England des 18. Jahrhunderts „wiederentdeckt“ wurden. Pferderennen dienten in dieser Zeit zur Präsentation der Leistung von Zuchttieren. Um die anfallenden Kosten abdecken zu können, kam man darauf, Wetten auf das beste Tier anzubieten.

Von Tacitus und seinen Beschreibungen der Germanen wissen wir, dass die Urahnen der Deutschen einen besonderen Hang zum Spielen hatten. Ihren Mut bewiesen sie nicht nur beim Widerstand gegen die Römer, sondern auch im Einsatz ihres gesamten Vermögens. Viele ließen sich mit ihren Spielutensilien beerdigen, um auch nach dem Tod noch ein Spiel machen zu können.

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Schon in der Antike wurde bei Pferderennen auf das beste Tier gesetzt

Die Römer waren ebenfalls begeisterte Spieler, auch wenn das Glücksspiel eigentlich verboten war. Für römische Soldaten gehörte es aber zum Alltag, ihren Sold zu verspielen. In den Tavernen wurde gezockt und gemogelt. Die Manipulation beim Würfeln sollte mithilfe eines kleinen Turmes unterbunden werden. Man warf die Würfel oben hinein und versetzte Kanten im Inneren ließen den Zufall entscheiden, auf welcher Zahl der Würfel landen würde. Das verbotene Glücksspiel war meist ein Kavaliersdelikt und wurde mit Geldstrafen gefahndet. Doch selbst die Kaiser ließen sich vom Hasard begeistern, sowohl Kaiser Claudius als auch der berühmte Augustus galten als leidenschaftliche Spieler. Wie erfolgreich sie tatsächlich waren, ist natürlich nicht überliefert.

Eine Zeit im Jahr gab es allerdings, in der Glücksspiel ausdrücklich erlaubt war. An den Saturnalien war alles möglich, was sonst als moralisch bedenklich galt. In diesen Tagen, ähnlich wie heute beim Karneval, standen sittliche Vorstellungen Kopf und man konnte ungeniert die Würfel fallen lassen.

Das Verbot galt nicht für frühe Sportwetten. Im Kolosseum und allen anderen Arenen im Römischen Reich konnte man nach Herzenslust auf den Lieblingsgladiatoren setzen.

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Auch auf Gladiatorenkämpfe wurden gern Wetten abgeschlossen, Gemälde von Jean-Léon Gérôme

Spiel des Teufels – Das Mittelalter

Im dunklen Zeitalter entwickelte sich aus verschiedenen Spielmöglichkeiten auf Jahrmärkten, Messen und Karneval langsam die Tradition fester Spielstätten. Das Glücksspiel sollte so eingeschränkt und einem bestimmten Personenkreis vorbehalten bleiben. Es bildeten sich sogenannte „Spielhäuser“, die eine Konzession der herrschenden Obrigkeit benötigten. Ähnlich wie bei den späteren staatlichen Spielbanken, mussten die Betreiber Abgaben leisten. Diese Spielhäuser wurden von der Oberschicht für die Oberschicht betrieben. Das gemeine Volk spielte in Wirtshäusern. Die Strafen, die die Unterschicht für das Betreiben von Glücksspiel erwartete, waren alles andere als angenehm: Prügelstrafe, Verbannung, Gefängnis, all das konnte einen Spieler treffen, der erwischt wurde. Die Adligen dagegen beschränkten sich nicht auf die für sie bereitstehenden Spielhäuser, sie hatten auch die Möglichkeit private Spielabende auszurichten. Zwar war das ebenfalls verboten, aber im Allgemeinen konnte man sich darauf verlassen, dass Gnade vor Recht ergehen würde. Im 13. und 14. Jahrhundert entwickelte sich so eine lebendige Spielkultur, die im 17. Jahrhundert die ersten Casinos im modernen Sinne hervorbringen sollte.

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Karten- und Würfelspieler im Mittelalter

Am beliebtesten war sicherlich das Würfelspiel. Ob Bauer, Adliger oder Geistlicher, es wurde gewürfelt bis die Hände glühten. Bis zum 9. Jahrhundert spielte man um Sachwerte, je nachdem, was man gemäß seiner Profession eben anbieten konnte. Mit der wachsenden Verbreitung von Münzen ging man dazu über, um monetäre Einsätze zu spielen. Der Stereotyp des „Würflers“ wurde geboren, ein Mensch, dessen Risikofreude und Spieleinsätze keine Grenzen kennt, der Haus und Hof verspielen würde und auch anderen weltlichen Genüssen wie dem Alkohol frönte. Viele Abbildungen des Mittelalters zeigen Spieler in der Gesellschaft des Teufels. Die Beliebtheit des Glücksspiels wuchs trotz dieser düsteren Vorstellung derart, dass die Menschen ab dem 15. Jahrhundert die Wahrscheinlichkeiten der Gewinne zu erforschen begannen. Man wollte nicht mehr alles dem Zufall überlassen. Das Interesse der entstehenden Wahrscheinlichkeitsrechnung galt ganz besonders den Gewinnchancen im Hasardspiel.

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Ein doppeldeutsches Blatt mit 36 Karten

Die ersten Spielkarten sollen übrigens aus dem Orient im 14. Jahrhundert nach Europa gekommen sein, für die seitdem eine unglaubliche Anzahl an Spielvarianten und Kartendecks entwickelt wurde. Auch die Lotterie in Europa hat ihre Anfänge in dieser Zeit: Das mittelalterliche Holland gilt als Begründer des Lotteriespiels, aus dem später die Klassenlotterien hervorgingen.

Lotto– Der Dauerbrenner in Europa

Schon in der frühen Neuzeit waren Lotteriespiele in ganz Mitteleuropa verbreitet. In Lotterieziehungen und „Glückshäfen“ (Glückstöpfe) gab es anfangs meist Sachpreise zu gewinnen, später dann Geldbeträge. Hauptsächlich wurde der Ertrag aus den Lotterien für wohltätige Zwecke verwendet. Wiederaufbau von verbannten Städten, Kirchbau, Armenhäuser, viele dieser Vorhaben wurden durch Lotteriespiel finanziert. Auch die Staatskasse wurde mit solch erwirtschafteten Geld wieder aufgefüllt, wenn sie durch große Belastungen und Kriege geplündert worden war. Aber auch eigennützige Ziele wurden verfolgt. So verwirklichte Herzog Eberhard zu Württemberg 1704 den Bau seines Schlosses und im darauffolgenden dessen Unterhalt durch seine „Leibrentenlotterie“.

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Öffentliche Lottoziehung in Hamburg, 1716

Das Zahlenlotto hat seinen Ursprung in Italien. 5 aus 90 Zahlen musste man richtig tippen, um den Gewinn einzuheimsen. Zudem wurden junge Mädchen ausgewählt, denen jeweils eine Nummer zuordnet wurde. Wessen Nummer gezogen wurde, bekam eine eigene Aussteuer. Zahlreiche Verbote und Wiedereinführungen ziehen sich auch durch die Geschichte der Lotterie. Die herrschende Riege Europas war hin und her gerissen zwischen der Möglichkeit die Kasse aufzubessern oder große Bauvorhaben zu realisieren, und dem moralischen Verfall und der Arbeitsvernachlässigung der Unterschicht, die bei übermäßigem Betrieb befürchtet wurde. Die Beliebtheit des Lottospiels war jedoch nicht aufzuhalten. Länder- und Staatslotterien entwickelten sich, allen voran die „Preußische Klassenlotterie“. In der Zeit des Nationalsozialismus wurden bestehende Lotterien schließlich zusammengelegt. In der Nachkriegszeit wurde Lotto wieder Ländersache. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren Stadtlotterien eine Lösung, um Geld zum Wiederaufbau zu sammeln, besonders Berlin kamen die Lotterien zugute. Das Zahlenlotto wurde übrigens erst in der 50er Jahren wieder erlaubt. Als letztes Land brachte Baden-Württemberg 1958 das Zahlenlotto überhaupt erst ins Spiel.

 Lotterieschein aus den 1870ern, die Einnahmen flossen in den Bau eines Denkmals

1921 wurde zum ersten Mal das durchgeführt, was man heute als Fußballtoto kennt. Die Fußballwette kommt natürlich aus dem Vaterland des Fußballs – England. Die Fußballwette schaffte ihren Weg schnell nach Schweden und von dort aus bildete sie das Vorbild für Nachkriegsdeutschland.

Aufstieg und Fall von Europas Spielbanken

Als das erste moderne Spielcasino wird allgemein das „Ridotto“ in Venedig genannt. Der „Privatbereich“, so die ungefähre Übersetzung, öffnete 1638 seine Pforten, um das Glücksspiel aus dem Hinterzimmern zu verbannen und das Spiel in geordnete Bahnen zu lenken. Ins Ridotto konnte theoretisch jeder. Das heißt jeder, der den strengen Dresscode einhalten und die hohen Einsätze aufbringen konnte, in der Realität war das also nur die feine Oberschicht.

Gespielt wurde hauptsächlich Biribi und Basette. Ersteres war eine Art Wettspiel, das in Frankreich entwickelt wurde. Der Spieler konnte auf einer Tabelle von 1 bis 70 auf eine Zahl setzen und der Bankhalter zog aus einem Sack mit Nummern die gewinnende Ziffer. Casanova soll ein großer Freund von Biribi gewesen sein, dem Spiel, von dem viele behaupteten, es sei zum Betrügen prädestiniert. Das Würfelspiel galt mittlerweile als Spiel des Pöbels, die Oberschicht konzentrierte sich jetzt eher auf Kartenspiele. Basette war ein Kartenspiel, dass eine Mischung aus Blackjack und Poker darstellt. Es gilt als italienischer Vorläufer des Pharo, einem Kartenspiel, das im 18. und 19. Jahrhunderts eines der beliebtesten Spiele überhaupt war und heute in Vergessenheit geraten ist. Aus der Spielsprache des Pharo stammt übrigens der heute noch gebräuchliche Ausdruck „Paroli bieten“.

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Im Ridotto in Venedig wurde getanzt, gefeiert und gespielt, Gemälde von Francesco Guardi

Zurück zum Ridotto: Die Mutter der Spielbanken überlebte bis 1774, in diesem Jahr wurde es aus moralischen Gründen für immer geschlossen. Der Betrieb von Casinos wurde in Europa regional unterschiedlich gehandhabt. Der Herrscher konnte das Glücksspiel ganz verbieten, bestimmte Konzessionen erteilen oder gar eine staatliche Angelegenheit daraus machen. So verbot Napoleon Bonaparte das private Glücksspiel in Italien, machte so aber den Weg frei für seine Pläne von öffentlichen Spielbanken. Anfang des 19. Jahrhunderts war Frankreich der Dreh- und Angelpunkt des Glücksspiel in Europa. Napoleon hatte das Glücksspiel in den Spielbanken von Paris erlaubt und so wurde neben dem bereits erwähnten Pharo auch Rouge et noir und Roulette gespielt. Bis schließlich wieder die Politik einen Strich durch die Rechnung machte. 1837 wurde in Frankreich das Glücksspiel verboten, Spielbanken geschlossen und die Lotterie aufgehoben. Damit traten die Franzosen den Platz an deutsche Kurorte ab.

Das Roulette war im 19. Jahrhundert längst keine neue Erfindung mehr, es schwappte von Italien bereits über 100 Jahre früher nach Frankreich, um dort zum festen Bestandteil des Spielgeschehens zu werden. Andere Quellen legen die Erfindung des Roulettespiels nach Frankreich selbst. Der Mathematiker Blaise Pascal soll es erfunden haben, dann wieder soll es chinesische oder gar russische Wurzeln haben. Die Gebrüder Blanc, die einen Pakt mit dem Teufel eingegangen sein sollen, entwickelten die moderne Grundform 1842 mit der Einführung der „Zero“ und den Zahlen 1 bis 36. Die Gesamtsumme von 1 bis 36 beträgt 666 – deshalb der Verdacht auf den Teufel.

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Roulettetisch um 1800

Die goldene Zeit von Baden-Baden, Bad Homburg und Bad Ems, dort sogar als erstes, hatte also begonnen. Die früheren Spielhöllen aus dem 18. Jahrhundert wurden zu noblen Palästen des Glücks, in denen sich die gute Gesellschaft Europas traf. Zur gleichen Zeit wurden auch die ersten Rennbahnen für Pferderennen eröffnet. 1858 wurde zum ersten Mal ein Galopprennen in Baden-Baden durchgeführt, auf das viele berühmte Rennen folgen sollten. Der Glanz von Baden-Baden und Co hielt nicht sehr lange – wieder einmal verschob der Verlauf der Geschichte das Spielvergnügen in einen anderen Teil Europas. 1872 war für die deutschen Spielbanken Schluss und die Hauptrolle wurde Monte Carlo zuteil. Nach dem Ersten Weltkrieg machte der Ort Zoppot, im damaligen Freistaat Danzig, von sich reden, der Gäste aus ganz Europa zum Großen Spiel einlud. Deutsche Spielbanken blieben für Jahrzehnte verwaist. 1933 hoben die Nationalsozialisten nach ihrer Machtergreifung das Spielverbot auf, aber nur eine einzige Konzession wurde vergeben, für Baden-Baden. Zum Ende des Zweiten Weltkriegs machte es die Türen wiederholt dicht, um schließlich 1950 den Spielbetrieb – bis heute ununterbrochen – wieder aufzunehmen.

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Eines der bedeutendsten Casinos Deutschlands: Baden-Baden

Die Geburt des „Einarmigen Banditen“ – Automatenspiele

Das Automatenglücksspiel ist im Vergleich eines der jüngsten Glücksspiele. Ende des 19. Jahrhunderts, im Zeitalter der Industrialisierung, fanden Automaten zum ersten Mal Einzug in den Alltag der Menschen.

Mechanische Automaten zum Zweck des Glücksspiels wurden schnell entwickelt – so zum Beispiel ein Würfelautomat von 1896. Als „der“ Glücksspielautomat schlechthin gilt allerdings die „Liberty Bell“ von 1899. Allein wegen des Namens ist es leicht zu erraten, wo diese Slot Machine erfunden wurde. Dieser „Einarmige Bandit“ bestand aus drei Walzen, die mittels eines Hebels zum Rollen gebracht wurden. Die berühmten Symbole der Glocke, dem Hufeisen und den Kartensymbolen Pik, Herz und Karo waren bereits auf den ersten Modellen vertreten. Innerhalb weniger Jahre brachten viele verschiedene Hersteller ihre neuen Erfindungen heraus, die allerdings schon 1910 durch das Spielverbot in den USA zu Geschicklichkeitsautomaten wurden. Eine Möglichkeit das Verbot zu umgehen, war die Verknüpfung von Süßigkeitenautomaten mit einem kleinen Spiel. Auch in Deutschland waren solche Automaten verbreitet, meist gefüllt mit Minzbonbons. Die Ausgabe der Minzbonbons war jedem Spieler sicher, nur wer den Jackpot zusätzlich zum frischen Atem bekommen würde, blieb eine Überraschung.

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Historische Spielautomaten

1977 stellte die Firma Gauselmann ihren ersten Spielautomaten vor, der bereits die bekannte Merkursonne als Markenzeichen trug. Mit der Massenproduktion fanden Automaten ihren Weg in Gaststätten, Spielotheken und Casinos.

Glücksspiel in den USA – Puritaner- und Indianercasinos

Nicht nur Europa und Asien haben ein leidenschaftliches aber gespaltenes Verhältnis zum Glücksspiel. Die Geschichte des amerikanischen Hasardspiels sieht da nicht anders aus. In den ersten Kolonien wurden einige englische Traditionen mitgebracht. Waren in den Kolonien der englischen Glücksritter Würfel- und Kartenspiel eine vergnügliche Angelegenheit, so gab es bei den englischen Puritanern wortwörtlich nichts zu lachen. In puritanischen Kolonien in New England, Pennsylvania oder Massachusetts waren nicht nur der Besitz von Karten verboten, sondern auch singen und tanzen. Ein Erfolg von Anfang an waren die amerikanischen Lotterien. Sie gehörten schnell zum guten Ton, denn viele Aufbauprojekte wurden durch sie finanziert. Ein Los zu kaufen kam der Unterstützung des Vaterlandes gleich. Sogar die Finanzierung des Unabhängigkeitskrieges wurde ursprünglich mit einer Lotterie geplant, die dann allerdings nicht durchgeführt werden konnte.

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Ein typischer Casino-Dampfer auf dem Mississippi

Im 18. Jahrhundert wurde besonders die Gegend entlang des Mississippi ein beliebter Treffpunkt für Abenteuerlustige, Entdecker und Eroberer. Sie brachten die Spielkultur in die romantische Flusslandschaft, die sich zu einem Zentrum des Glücksspiels entwickelte. New Orleans war der pulsierende Mittelpunkt für waghalsige Spieler und professionelle Betrüger. Sie fanden Platz in den „schwimmenden Casinos“, Spielhöllen auf Mississippi-Dampfern, deren Kultur bis heute existiert, auch wenn viele schwimmende Casinos durch den Hurrikan „Katrina“  2005 zerstört wurden.

In vielen Bundestaaten wurden mit der Zeit Verbote erlassen. Einzig Kalifornien, das Mitte des 19. Jahrhunderts seinen „Gold Rush“ erlebte, wurde zum Spielerparadies. Auch hier kam es Ende des Jahrhunderts zum Verbot und plötzlich tauchte ein neuer Stern am Himmel des Glücksspiels auf: Nevada.

1905 wurde Las Vegas, der wahr gewordene Traum eines jeden Spielers, gegründet. Vor dem Glücksspiel war die Stadt bereits bekannt als Amüsiermeile für Arbeiter. In den 30er Jahren wurde das erste Luxushotel eröffnet und der Komfort für feinere Gesellschaft war gegeben. Der Rest ist sozusagen Geschichte. Las Vegas ist heute ein Kultsymbol mit jährlich 30 Millionen Besuchern.

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Spielerparadies und Kultsymbol Amerikas: Las Vegas

Die Ureinwohner Nordamerikas sollen vor der Besiedlung durch die Europäer auch schon diverse Arten von Glücksspiel gekannt haben. Nach der Kolonisierung Amerikas wurden sie in jeglicher Hinsicht benachteiligt. Seit der Entstehung von Reservaten, hauptsächlich im 19. Jahrhundert, befanden sich die indigenen Stämme in dem Dilemma zwar das Glück gehabt zu haben, Landbesitz verteidigen zu können, gleichzeitig aber auch von der Infrastruktur und der Wirtschaft der restlichen Bevölkerung nicht zu profitieren. Aus diesem Dilemma entstand die Idee, auf ihren autonomen Gebieten dem Spielverbot in vielen Bundesstaaten ein Schnippchen zu schlagen. In den 70er Jahren begannen die ersten Indianerstämme mit dem Aufbau von Glücksspielbetrieben auf den Gebieten ihrer Reservate. Bis 1988 dauerte daraufhin der Streit an, ob Indianer dazu berechtigt wären, sich über das Gesetz hinwegzusetzen. Der „Gaming Regulatory Act“ aus diesem Jahr 1988 machte der Diskussion ein Ende und das indigene Glücksspiel legal. Im Jahr 2006 ergab eine Zählung, dass von den 562 registrierten Stämmen in den USA ganze 223 mittlerweile ein oder mehrere Casinos betreiben.

Online-Casinos – Das neueste Kapitel in der Geschichte des Glücksspiels

Glücksspiel findet sich auf allen Kontinenten. Von Argentinien bis Zypern, die Welt spielt. Die Welt spielt jedoch nicht mehr nur an Automaten und Roulettetischen. Die Welt spielt mittlerweile im World Wide Web.

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Computer, Tablet und Smartphone lösen das echte Casino zunehmend ab

Bereits 1994 wurde die erste Glücksspiel-Software entwickelt und noch im gleichen Jahr wird zum ersten Mal eine Online-Glücksspiel-Legitimation beschlossen, und zwar vom Inselstaat Antigua und Barbuda. Ende der 90er Jahre kommt es zu den ersten Geldeinsätzen in Online-Casinos. In den darauffolgenden zehn Jahren soll der Markt zu einen boomenden Geschäft werden, dass aber allerhand rechtliche Rückschläge verkraften muss. 2006 verbietet ein Gesetz den Zahlungsverkehr bei Online-Spielen in den USA, viele Anbieter ziehen sich daraufhin zurück. 2011 werden viele Webseiten von der US-Regierung gesperrt. Den damaligen Markt mit über 800 Online-Casinos kann jedoch niemand ganz zersprengen. Immer neue Innovationen machen das Spiel auf diversen Endgeräten möglich. 2013 war der Umsatz bei Spielen auf Smartphones und Tablets bereits bei 10 Milliarden US-Dollar. Auch das „Social Gambling“ auf sozialen Netzwerken macht mittlerweile ein Fünftel des Online-Marktes aus. Immer neue Ideen entstehen, um das digitale Spielen reizvoller zu machen. Auch die Verbote und Regulierungen haben nicht auf sich warten lassen.

Nur wenige Länder haben bisher das virtuelle Spiel legitimiert. Die Geschichte hat uns jedoch gelehrt: Verbote kommen und gehen, das Glücksspiel bleibt.

Quellen

Geschichte allgemein:

https://www.uni-hohenheim.de/fileadmin/einrichtungen/gluecksspiel/Forschungsarbeiten/Naether.pdf

http://www.nwzonline.de/geld/partner/wussten-sie-das-schon-die-geschichte-des-gluecksspiels_a_9,3,2333584743.html

http://en.wikipedia.org/wiki/Gambling

http://www.landesmuseum.de/website/Deutsch/Sonderausstellungen/Rueckblick/2008_-_Ausstellungen/Gluecksspiel_von_der_Antike_bis_heute/Die_Ausstellung.htm

http://lotto-am-mittwoch.co/lotto-geschichte/ (auch Bilder)

Antike:

http://www.klassischearchaeologie.phil.uni-erlangen.de/realia/spiele/spiele2.html

http://www.radiolarium.net/archaeologie/archives/578

http://www.imperium-romanum.info/wiki/index.php?title=Gl%C3%BCcksspiel

Automaten:

http://www.deutsches-automatenmuseum.de/de/die-sammlung/geldspiel (auch Bilder)

China:

http://www.badische-zeitung.de/panorama/die-chinesen-ein-volk-von-zockern--77974551.html

http://blog.chinatours.de/2012/07/06/mahjong-%E2%80%93-ein-blick-in-die-geschichte/

USA:

http://de.wikipedia.org/wiki/Indianerkasino

http://www.planet-wissen.de/laender_leute/usa/las_vegas/index.jsp

http://www.library.ca.gov/crb/97/03/Chapt2.html