Jonathan Duhamel
Den wohl wichtigsten Showdown seiner noch jungen Pokerkarriere wird Jonathan Duhamel mit Sicherheit niemals vergessen, die Rede ist von der allesentscheidenden Hand des größten Pokerturniers der Welt. Das Aufdecken der Karten nach der insgesamt 43. Hand im Heads Up gegen den US-Amerikaner John Racener beim Main Event der World Series of Poker 2010 sollte das Leben des 23-jährigen Kanadiers auf einen Schlag für immer verändern.
Doch wer ist der Mann, der im vergangenen Jahr die Pokerexperten rund um den Globus verblüffte und mit seiner unbekümmerten und abgebrühten Art den Sieg beim wichtigsten Pokerturnier der Welt feiern konnte?
Geboren am 24. August 1987 in Boucherville, ist der Kanadier Jonathan Duhamel eigentlich ein junger Mann, wie es Millionen andere auf der Welt gibt. Er ist sportbegeistert und wie fast jeder Kanadier ein großer Eishockeyfan, er steht auf schnelle Autos und liebt das Risiko. Allerdings unterscheidet sich der junge Kanadier von vielen seiner Altersgenossen in einem Punkt: Jonathan Duhamel ist ein überaus erfolgreicher Pokerprofi.
Mit 16 Jahren erlernte er in seiner Heimat das weltweit so beliebte Kartenspiel und war sofort von der Faszination Poker gefangen. Anfangs spielte er nur mit Freunden, sein ursprünglicher Plan war, eine Finanzkarriere in der Wirtschaft anzustreben, weshalb er mit einem Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Universität von Québec in Montreal begann. Schnell allerdings erkannte der Kanadier sein großes Talent im Online-Poker und sah die Möglichkeit, durch Zocken im Internet eine ganze Menge Geld zu verdienen. Zum großen Missfallen seiner Eltern und gegen den Rat vieler Freunde entschied sich Jonathan Duhamel nach reiflicher Überlegung dazu, seine Universitätskarriere abzubrechen und seine Glück im Pokern zu suchen – eine Entscheidung, die sich im Nachhinein als absoluter Glücksfall herausstellen sollte.
Der Sieg beim wichtigsten Turnier der Welt
Wer Jonathan Duhamel Poker spielen sieht, der erkennt sofort das überaus große Talent, das in ihm schlummert. Der junge Kanadier kann Situationen am Tisch fast immer richtig einschätzen und überlässt nur ganz wenig dem Zufall – eine Eigenschaft, die vor allem vielen Hobbyspielern fehlt. So kam auch der Triumphzug des lange Zeit als Außenseiter gehandelten Kanadiers beim Main Event der World Series of Poker 2010 zwar für viele Experten enorm überraschend, unverdient allerdings war der Sieg im vergangenen Jahr keinesfalls.
Mit seinem aggressiven Spiel und den unzähligen richtigen Entscheidungen begeisterte Jonathan Duhamel im Verlauf des Turniers mehr und mehr die Zuschauer, wenn es dann doch einmal brenzlig wurde, konnte sich der 23-jährige Pokerprofi zudem stets auf sein Glück verlassen. Besonders im Aufeinandertreffen mit Matt Affleck im Kampf um einen riesengroßen Pot kurz vor dem Final Table hatte der Kanadier das Fortune auf seiner Seite und warf Matt Affleck dank einer auf der letzten Karte getroffenen Straße aus dem Turnier.
Während Matt Affleck nach seinem bitteren Aus die Tränen übers Gesicht rollten, saß Jonathan Duhamel teilnahmslos am Tisch und grinste unter seinem Kapuzenpulli – eine Geste, die ihm später als Arroganz ausgelegt wurde. Doch dem 23-jährigen Kanadier dürfte das in diesem Moment relativ egal gewesen sein, schließlich war ihm dank dieser glücklichen Hand gegen Matt Affleck der Final Table kaum mehr zu nehmen – er wusste, dass er mit großer Sicherheit zu den sogenannten “November Nine” gehören würde.
Als klarer Chipleader ging Jonathan Duhamel dann an den Finaltisch und konnte sich mit Glück und Geschick immer weiter nach vorne spielen, letztlich stand er am 9. November 2010 im Heads Up gegen den US-Amerikaner John Racener und galt aufgrund der ungleichen Anzahl an Chips als haushoher Favorit. Entschieden wurde das größte Turnier der Welt, an dem im vergangenen Jahr über 7000 Spieler teilnahmen, letztlich in der 43. Hand. Jonathan Duhamel setzte mit einem Ass und einem Buben seinen Gegner John Racener einmal mehr All-In und erhielt vom US-Amerikaner den ersehnten Call, er präsentierte lediglich einen König und eine Acht. Der Rest ist Geschichte: Keiner der beiden Spieler traf das Board und somit gewann der junge Jonathan Duhamel dank der höheren Karte als erster Kanadier überhaupt das Main Event der World Series of Poker, nebenbei sicherte er sich noch das ersehnte Armband sowie knapp neun Millionen US-Dollar an Preisgeld.
Jonathan Duhamel nach seinem sensationellen Triumph
Auch nach seinem überraschenden Sieg bei der World Series of Poker 2010 reitet Jonathan Duhamel weiterhin auf einer Welle des Erfolgs – seit dem 9. November 2010 allerdings gänzlich ohne Geldsorgen. Der Kanadier wurde erwartungsgemäß Anfang 2011 als vollwertiges Mitglied von PokerStars unter Vertrag genommen und spielt jetzt gemeinsam mit den erfolgreichsten Profis in einem Team. Die Freude über seine Verpflichtung war bei dem 23-jährigen Shootingstar riesengroß, er erklärte mehrfach, dass er unglaublich stolz darauf sei, zum Team der größten Pokerseite der Welt zu gehören und dass er alles für eine erfolgreiche Zusammenarbeit tun werde.
Auch seine neuen Kollegen zeigten sich sichtlich erfreut nach der Vertragsunterzeichnung, vor allem Daniel Negreanu – für viele der kompletteste Pokerprofi der Welt – war voll des Lobes für den 23-jährigen Kanadier. Es bleibt für PokerStars zu hoffen, dass Jonathan Duhamel anders als seine beiden Vorgänger Peter Eastgate und Joe Cada den Erfolg bestätigen kann, die Voraussetzungen dazu hat er in jedem Fall und so dürfen sich seine Fans wohl darüber freuen, in den kommenden Jahren noch einiges von Jonathan Duhamel zu hören.
Auch wenn Jonathan Duhamel Poker einiges zu verdanken hat und ein Leben führt, von dem die meisten Menschen nur träumen können, hat er sich nach seinem Millionengewinn dazu entschieden, etwas von seinem Glück zurückzugeben. Als großer Fan des kanadischen Eishockeyteams Montreal Canadiens entschloss er sich dazu, 100.000 US-Dollar an die Montreal Canadiens Children’s Foundation zu spenden – es war die bis dato höchste jemals von einer Privatperson getätigte Spende an diese Organisation. Auch diese Spende zeigt die Einstellung von Jonathan Duhamel, sowohl beim Zocken als auch abseits des Pokertisches geht der Kanadier gerne aufs Ganze und liebt das Maximum. Und so ist es wenig verwunderlich, dass er in einem Interview Ende Oktober 2010 auf die Frage, wem der anderen acht Teilnehmer am Final Table er im Falle seines Ausscheidens den Sieg am meisten gönnen würde, mit einem Augenzwinkern folgende Antwort parat hatte: “Ich werde gewinnen, nächste Frage.”
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