Tipico zeigt sich wegen Steuerbetrug selbst an

Tipico, Deutschlands bekanntester Anbieter von Sportwetten, hat mehrere Selbstanzeigen beim deutschen Finanzamt wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung eingereicht. Dies geht aus Berichten von mehreren Medien hervor. Anscheinend ist die Sachlage ernster als zunächst angenommen. Verschiedenen Angaben zufolge, unter anderem von Spiegel Online und Business Insider, gehe es um mehrere Millionen Euro.

Tipico – Ein Branchenprimus

Jeder der sich in Deutschland oder Österreich für Sportwetten interessiert, dem ist Tipico ein Begriff. Tipico ist mit einem Marktanteil von mehr als 50 % Deutschlands Sportwettenanbieter Nummer 1. In der Liste der weltweit größten Wettanbieter rangiert man auf dem stolzen sechsten Rang.

tipico - selbstanzeige wegen steuerbetrugTipico ist einer der bekanntesten Sportwetten-Anbieter in Deutschland und Österreich – online und offline

Tipico ist nicht nur einer der gefragtesten Online Buchmacher, sondern auch einer der weniger Anbieter, die noch Annahmestellen betreiben. In Deutschland und Österreich zählt man dabei mehr als 1.200 Wettbüros. Fußballfans kennen Tipico vor allem auch durch die langjährige Partnerschaft mit dem FC Bayern München und Oliver Kahn als Werbepartner.

Auf dem Weg zum Global Player

Tipico gehörte in Deutschland zu den ersten Anbietern, die im Oktober 2020 eine deutsche Lizenz erhielten. Denn wer in Zukunft ein Deutschland Online Glücksspiel anbieten möchte, muss sich an die neuen Regularien des Glücksspielstaatsvertrag halten. Wer diese Bedingungen erfüllt, erhält demnach eine rein deutsche Lizenz. Im Vordergrund steht dabei der Spielerschutz und Transparenz. Unter anderem gilt seit Juli 2021 eine monatliches Einsatzlimit von 1.000 €.

Nicht nur in Deutschland festigt man seine Ausnahmestellung. Im Jahr 2020 hat man sich auch in den USA erstmals niedergelassen. In New Jersey ist der Name Tipico für Wettfreunde mittlerweile gang und gäbe.

Unversteuerte Provisionszahlungen an Wettvermittler

Laut übereinstimmenden Medienberichten durch den Spiegel und Business Insider soll Tipico bereits im Jahr 2014 Selbstanzeige aufgrund von Beihilfe zur Steuerhinterziehung gestellt haben. Dabei ging es um nicht versteuerte Provisionszahlungen zwischen 2007 und 2012. Die Rede ist von 20.4 Millionen Euro, die dem der deutschen Steuerbehörde nicht gemeldet wurde und auf Konten in Kroatien überwiesen wurde.

Business Insider liegt dazu ein Untersuchungsbericht aus dem Jahr 2016 vor. Im Jahr 2013 erfuhr Tipico von einer Anfrage kroatischer Behörden an die FIAU (Financial Intelligence Analysis Unit) aus Malta, in Bezug auf die oben genannten Provisionszahlungen. Die getätigten Zahlungen gingen an Wettvermittler, die in Deutschland der Steuerpflicht unterstehen.

Tipico selbst hat dazu Wirtschaftsprüfer und Juristen engagiert, die dazu Untersuchungen durchführen. Es stellte sich dabei heraus, dass die nicht versteuerten Provisionszahlungen durch einen Gründer von Tipico selbst stattgegeben wurden.

Auf Grundlage dieser Untersuchungen wurde diese Person von Tipico bereits aus dem Vorstand entlassen und suspendiert. Um im guten Glauben eine strafrechtliche Verfolgung zu vermeiden, entschied man sich für insgesamt zu fünf Selbstanzeigen wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung. Dazu wurden beim Finanzamt Nürnberg-Nord im Oktober 2014 Nachklärungen übergeben. Eine Stellungnahmen seitens Tipicos blieb bislang noch aus.

Eine Sonderprovision für einen alten Bekannten

Wie sich herausstellte ging es bei einer der Nachklärungen um eine getätigte Sonderprovision in Höhe von 200.000 €. Diese soll zwischen 2007 und 2012 an einen bekannten Wettvermittler transferiert worden sein.

Diese Person zog bekanntlich die Fäden bei einem der größten Wettskandale im europäischen Fußball. Der Wettskandal von 2009 kann mit dem Wettskandal um den deutschen Schiedsrichter Robert Hoyzer und dem Wettskandal in der Bundesliga 1970, wo nicht nur Spieler, sondern auch Trainer und Vereinsfunktionäre beteiligt waren, gleichgesetzt werden.

Marijo Cvrtak wurde im Zuge des Wettskandals von 2009 zu einer fünfjährigen Haftstrafe verurteilt. Cvrtak wird mit weltweit 400 manipulierten Spielen in Verbindung gebracht. Obwohl der Name offiziell noch nicht mit der genannten Sonderprovisionszahlung von 200.000 € in Verbindung gebracht wird, deuten laut dem Untersuchungsbericht viele Indizien und Fakten auf Cvrtak hin.

Tipico soll von dieser Zahlung aber erst erfahren haben, als dieser bereits verhaftet wurde.

Provisionszahlungen an Wettvermittler sind nicht illegal

Da Tipico auch unzählige Annahmestellen betreibt, ist es für einen Betreiber eines Wettbüros durchaus üblich auch Provisionen als Wettvermittler zu erhalten. Dieses Vorhaben ist legal und unterliegt Bestimmungen und ist natürlich auch steuerpflichtig. 60 % kann das Wettbüro behalten, während der Rest an das Unternehmen Tipico weitergeleitet wird.

Im Falle von Tipico wurde aber laut den ersten Ermittlungen mehr als 40 % an Tipico weitergeleitet. Dieser Überschuss wurde anschließend als Provisionszahlung auf ausländische Konten, unter anderem Kroatien, weiter transferiert.

Als man bei Tipico von diesen unversteuerten Zahlungen Wind bekam, stand sogar der Verkauf im Raum. Man wollte das gesamte Unternehmen verkaufen. Dabei fand man aber keinen geeigneten Käufer und so verkaufte man nur rund 60 % seiner Aktien. CVC Capital Partners erhielt letzten Endes den Zuschlag für 1.3 Milliarden Euro.

Es bleibt abzuwarten, wie sich Tipico in Zukunft aufstellen wird und wie sehr sich die Selbstanzeigen auf das Image von Tipico auswirken.

Beitrag veröffentlicht am 11. August 2021

Scroll to top button