Der deutsche Glücksspielstaatsvertrag und Spielsucht

Wer profitiert wirklich von den neuen Regulierungen?

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Der neue Glücksspielstaatsvertrag in Deutschland ist seit 1. Juli 2021 in Kraft. Verantwortungsvolles Spiel und der Schutz der Spieler sollen gestärkt werden, doch am Ende wird der Glücksspielmarkt davon wohl sogar noch mehr profitieren.

Die Lage des deutschen Glücksspielmarkts

Der deutsche Glücksspielmarkt befindet sich definitiv im Wandel der Zeit. Die erst kürzlich veröffentlichte Goldmedia Studie “Glücksspielmarkt Deutschland 2020” belegt eindeutig, dass in Deutschland immer noch viel gezockt wird. Seit 2015 konnte der Gewinn um fast 20 % gesteigert werden. Wir sprechen hier von 2.6 Milliarden Euro.

deutscher bundestagMit dem Inkrafttreten des neuen Glücksspielstaatsvertrag am 1. Juli 2021 befürchtet die Branche nun einen großen Einbruch dieser Zahlen. Doch laut erster Prognosen und Umfragen werden die Zeiten wohl noch rosiger werden.

Mehr als 80 % einer Nutzerbefragung befürworten den neuen deutschen Glücksspielstaatsvertrag. Mehr als zwei Drittel würden in Zukunft bei Anbieter mit deutscher Lizenz zocken als bei anderen Anbietern von Glücksspiel-Produkten. Trotz der strengeren Maßnahmen zum Spielerschutz und zu Limitierungen bei Einzahlungen, schreckt der neue Vertrag anscheinend fast niemanden ab.

Inhalte des neuen Glücksspielstaatsvertrags

Vor allem der Umstand, dass mit dem neuen Vertrag, Online Spielotheken in ganz Deutschland erlaubt sind, erfreut viele Nutzer. Bis jetzt war es Anbietern im Grunde nur erlaubt in Schleswig Holstein Online Glücksspiel legal und offiziell anzubieten. In anderen Bundesländern herrschte bis zum 1. Juli 2021 eine Art Grauzone, die natürlich von fast allen Anbietern und Kunden zu ihren Gunsten genutzt wurde.

Neben der legalen Ausbreitung von Online Glücksspiel auf ganz Deutschland, steht vor allem das verantwortungsvolle Spiel und der Spielerschutz im Vordergrund. Hier die wichtigsten Punkte:

  • Verbot von zeitgleichem Spiel auf mehreren Webseiten
  • 1 € Höchsteinsatz pro Dreh am Spielautomaten
  • Einführung einer 5 Sekunden Pause zwischen Spins
  • 1.000 € Einzahlungslimit pro Monat
  • Keine Jackpot-Spiele
  • Keine Autoplay-Funktion
  • Abschaffung von Tisch- und Kartenspielen sowie Live Casinos

Über die neuen Maßnahmen wurde bereits heftig gestritten. Für viele sind diese nicht streng genug ausgelegt. Kleine Anbieter von Glücksspiel-Produkten sehen bereits ihr gesamtes Geschäft in Gefahr.

Wirksamkeit der neuen Maßnahmen

Doch wie wirksam sind die Maßnahmen wirklich? Will man zeitgleiches Spiel auf mehreren Webseiten verbieten, braucht es dafür einen großen technologischen Aufwand. Es müssten große Mengen an Daten von Spieler gesammelt werden, die von einer externen Behörde kontrolliert werden müssten.

Bisher funktioniert dieses System nicht gut. Auch wenn es künftig für jeden Spieler eine Art Sperrdatei geben wird, anhand der man Spielsüchtige oder jene die Gefahr laufen spielsüchtig zu werden, sofort bundesweit von der Nutzung von allen Glücksspiel-Produkten ausschließt, glauben viele nicht daran, dass sich viel ändern wird.

gluecksspielsucht

Auch ohne große Jackpot-Spiele werden sich Spieler ihre Wege suchen an große Gewinne zu gelangen bzw. auf diese zu hoffen. Das war früher schon so und wird auch in Zukunft so sein.

Seit dem ersten staatlichen Glücksspielvertrag im Jahr 2008, wurden immer wieder Anpassungen und Regulierungen vorgenommen. So eben auch dieses mal, aber der wichtigste Punkt wird nicht oft genug erwähnt, nämlich das Anbieter mit einer deutschen Lizenz ihre Produkte nun in ganz Deutschland legal anbieten können.

Klar, wer eine deutsche Lizenz erhalten möchte, der muss sich an die neuen Maßnahmen halten und alle notwendigen Daten der Spieler sammeln, aber man darf nicht außer Acht lassen, wie viele neue legale Kunden aus ganz Deutschland jetzt Online Spielotheken, Poker usw. nutzen dürfen.

Ob sich die Maßnahmen zum Spielerschutz bewähren, wird sich erst zeigen, aber eines ist jetzt schon sicher, nämlich dass es einen großen Kundenzuwachs geben wird. Für die vielen Anbieter von Glücksspiel-Produkten bedeutet das natürlich noch mehr Profit.

Beitrag des neuen Glücksspielstaatsvertrags zur Prävention gegen Spielsucht

Gegner und selbst Betroffene sehen den neuen Glücksspielstaatsvertrag mehr als kritisch. Zum einen sind diese der Meinung, das die neuen Regularien nicht ausreichen werden.

Spielsucht steht nur zum Teil in Zusammenhang mit Jackpot-Spielen und die Möglichkeit auf große Gewinne. Einige betroffene Spielsüchtige berichten, dass sich diese Spieler eben neue Wege und Möglichkeiten suchen, um Geld auf’s Spiel zu setzen.

Auch das Einzahlungslimit von 1.000 € im Monat ist vielen noch zu hoch angelegt. Für viele Spieler ist das fast ein Monatslohn, der innerhalb eines Monats wieder für das Glücksspiel zur Verfügung steht.

Noch schlimmer ist aber die Tatsache, dass jetzt plötzlich Millionen von deutschen Bürgern legal Online zocken dürfen. Die Maßnahmen zum Spielerschutz sind daher für viele nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Es mag sein, dass man dadurch durchaus auch Erfolge im Kampf gegen schwere Spielsucht feiern wird, aber was nützt es, wenn immer mehr Menschen mit dem Glücksspiel in Kontakt treten können und zwar legal über Nacht?

Langfristig gesehen gehören Kunden und Spieler immer zu den Verlierern und die Anbieter zu den Gewinnern. Darauf basiert die gesamte Glücksspielindustrie. Die Anbieter und auch der Staat weiß das, und unternimmt eigentlich relativ wenig dagegen, außer Glücksspiel legal unter bestimmten Bedingungen anzubieten. Im Grunde genommen handelt der Staat hier verantwortungslos und ethisch nicht korrekt.

Auch offline gibt es Probleme

Ein großes Problem ist und bleiben Geldspielgeräte oder Spielautomaten. Deutschlandweit gibt es mehr als 200.000 solcher Spielautomaten in vielen Bars und Kneipen um die Ecke. Vor allem die Art und Weiße, wie diese Automaten einfache Kunden zum Zocken verleiten, sollte besser schleunigst überdenkt werden.

Mit glitzernden Lampen und Leuchten, 3D-Grafiken, verführerischen Sounds sind dieser praktisch 24 Stunden in Betrieb. Der normale Weg eines Spielsüchtigen beginnt eben genau hier, nämlich da wo man am schnellsten und am einfachsten die Möglichkeit hat, Geld für kurzfristige Gewinne einzusetzen.

Fazit

Während die Glücksspielbranche, vor allem die großen Online Anbieter bereits jetzt wissen, dass ihnen die deutsche Lizenz in den nächsten Jahren noch mehr Kunden in Deutschland bringen wird und das natürlich den Profit steigern wird, müssen die Macher des neuen Glücksspielstaatsvertrages erst abwarten, ob die neuen Maßnahmen zum Spielerschutz auch Wirkung zeigen.

Die Hoffnung liegt vor allem in der einheitlichen Verarbeitung der Spielerdaten, nämlich in der sogenannten Sperrdatei. Spieler, die ein auffälliges Verhalten gegenüber Glücksspiel zeigen, können damit bundesweit für alle Anbieter und Produkte von Glücksspielen gesperrt werden.

Während es dem Staat um zusätzliche Steuereinnahmen geht, interessiert die Anbieter klarerweise nur der zu erwartende Ertragszuwachs durch neue Kunden, auch wenn die Einsätze geringer ausfallen werden.

Staat und Anbieter haben den Spieler immer an ihrer Leine. Ob man nun die Spieler schützt oder nicht, ist aus dieser Perspektive im Grunde egal. Dies spiegelt sich auch in den konkreten Neuerungen wider.

Beitrag veröffentlicht am 21. September 2021

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